Warum ich Sixtus auf die Glatze kotzen will

Disclaimer A

Ich bin für eine Frauenquote bei Listenkandidaten; ungerade Plätze sollten mit Frauen besetzt werden. Die Gründe hierfür sind zu komplex für diesen Beitrag.

Disclaimer B

Ich war und bin ein Sixtus-Fan und das seit Folge 4 (Phase I) des Elektrischen Reporters. Oftmals habe ich Aussagen und Meinungen von Sixtus recht ungefiltert übernommen; in meinen Worten schwingt Enttäuschung mit.

Was ist passiert?

Ich habe heute gelesen, dass Anke Domscheit-Berg in Brandenburg auf den zweiten Platz der Landesliste gewählt wurde, und dachte mir, dass es gut sei eine weitere prominente Frau an der Spitze der Piratenpartei zu haben. Nun stellt sich per Shitstorm heraus, dass der Platz wohl doch nicht so aussichtsreich ist, wie ich ursprünglich dachte. Schade. Ich glaube, dass die Partei mehr bekannte Gesichter braucht, besonders weibliche. Was ich aber viel erschreckender finde, ist die Art und Weise mit der das Ergebnis kommentiert wird. Zumindest in meiner Timeline ist da allen voran Mario Sixtus zu nennen, der das Ganze scheinbar für reinste Form von Sexismus hält, die auf dieser Welt überhaupt existieren kann.

Tweet von @sixtus

Quelle: Twitter

Das Wahlkollektiv hat seiner Ansicht nach anscheinend per Borg-Einheitsgeist dieses Ergebnis absichtlich herbeigeführt. Die andere Möglichkeit wäre die Existenz von fährlässigem Sexismus; darunter fällt die Unverfrorenheit bei einer Wahl überhaupt einen männlichen Kandidaten anzukreuzen.

Um wen geht es überhaupt

Ich kenne beide Kandidaten nicht. Von @anked weiß ich, dass sie etwas prominenter in der Netzszene ist und wohl was mit Wikileaks, Microsoft und Feminismus zu tun hat. Insgesamt jemand, der mir als Kandidat für die Piraten wenig Bauchschmerz macht, weil ich keine bösen Überraschungen erwarte. Von Veits Existenz habe ich heute überhaupt erst erfahren. Jetzt weiß ich, dass er wenige Twitter-Follower hat(te) und politischer Geschäftsführer in Brandenburg ist. Mehr will ich gar nicht recherchieren: ich habe genug mit den Kandidaten in NRW zu tun.

Frauenprobleme

Die Piraten haben zwei Probleme mit Frauen. Zum einen gibt es zu wenige in der Partei und zum anderen ist das Klima nicht gut. Ich habe selbst öfters sexistisches Verhalten von Piraten in Aachen erlebt und leider zu oft ignoriert, einfach damit eine Sachdiskussion nicht in eine Sexismusdebatte abgleitet. Eine Feministin auf Platz 1 einer Landesliste zu wählen, wäre ein tolles Zeichen gewesen; ich hätte Luftsprünge gemacht.

Aber warum soll das Ergebnis bitte Sexismus sein? Eine knappe Wahl (55 zu 45) entscheidet sich für einen Menschen, der im Landesverband politischer Geschäftsführer ist. Dieser Mensch muss also schon eine gewisse Bekanntheit und ein gewisses Vertrauen bei den aktiven Piraten in Brandenburg besitzen, sonst wäre er wohl nicht im LaVor. Dazu kommt, dass viele Piraten immer noch eisern an „Themen statt Köpfe“ glauben und für einige das Level an Prominenz, das @anked mitbringt, sie bereits als Spitzenkandidaten disqualifiziert. Mario Sixtus ist Medienprofi und kennt die Piraten; er müsste auch diese Umstände kennen. Daher verstehe ich nicht, wie er und viele andere diese Wahl rein auf Sexismus oder Ähnliches reduzieren können.

Tweet von @kpeterl

Quelle: Twitter

Es zeugt schon von gesteigertem Chauvinismus1, wenn man sein eigenes Erklärungsmodell für dermaßen alleingültig hält.

Wie kann man unter diesen Umständen und bei so vielen relevanten Parametern dem Gewinner unterstellen reiner Profiteur von Sexismus zu sein. Eine Unterstellung, die naturgemäß nur bei einem Mann funktioniert. Sixtus bekämpft hier vermeintlichen Sexismus mit eigenem Sexismus. Seine Kernaussage ist, dass Veit nur gewonnen hat, weil er mit Hodensack geboren wurde; alle anderen möglichen Erklärungen – wie jahrelange Arbeit in der Partei – sind nur vorgeschobene Ausreden. Bei so viel Überheblichkeit in der Beurteilung einer Situation möchte ich einfach nur kotzen – am liebsten direkt auf Sixtus polierte Glatze.

Abschließend noch zwei Tweets, die viel besser bzw. viel schlechter waren, als alles was Sixtus geschrieben hat.

Besser: @autofocus beklagt das Ergebnis unterstellt aber keine Motive.

Tweet von @autofocus

Quelle: Twitter

Schlechter: @keydon hat sich mit dem Begriff Lobbyhure einen festen Platz in meiner mentalen Schublade „Sexistische Vollidioten“ verdient. Gratulation.

Tweet von @keydon

Quelle: Twitter

tl;dr: Mario Sixtus muss sich fragen, ob er nicht möglicherweise auch ein winzig wenig sexistisch ist.

1Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe. Männlicher Chauvinismus ist nur ein Spezialfall.